Der Wagen und das Pferdegeschirr aus dem Fürstengrab von Hochdorf

Entlang der Ostseite der Grabkammer von Eberdingen-Hochdorf stand ein vierrädriger Wagen, auf dem die Anschirrung für zwei Pferde, Schlachtgeräte [link zur entsprechenden Seite?] und Bronzeschalen [link zur entsprechenden Seite?] niedergelegt worden waren. Alles zusammen wurde durch die heruntergebrochenen Steine der Kammerdecke auf wenige Zentimeter zusammengedrückt, war aber dadurch auch vor Sickerwasser geschützt. So konnten sich viele Gegenstände aus organischen Materialien erhalten, was in diesem Ausmaße äußerst selten ist. Zudem ist dadurch eine gesicherte Rekonstruktion sowohl der Gegenstände - des Wagens und der Anschirrung - als auch der Niederlegung (Bestattungsitten) möglich. Dieser Fundkomplex wird zur Zeit in einer Dissertation von Juliabearbeitet, die wahrscheinlich im Winter 1998/99 abgeschlossen wird.

Elemente des Wagens und der Anschirrung:

Wagen

Joch

Kettenverteiler

Kopfgestelle

Treibstachel

Der Wagen

Fast alle Teile des Wagens waren mit Eisenblechen verkleidet, so konnte dadurch seine Form bis ins Detail rekonstruiert werden. Die Räder weisen je zehn Speichen, eine zylinderförmige Nabe und eine Biegefelge (aus einem Holzspan zusammengebogene Felge) auf. Die Räder waren auf die Achsen aufgesteckt, nur die Achsnägel lagen auf dem flachen, lang-rechteckigen Wagenkasten. Ebenso war die vertikal bewegliche Deichsel anmontiert, was bei mitteleuropäischen Wagengräbern der gleichen Zeit nur selten beobachtet wurde. An den Eisenblechen haben sich Holzfasern konserviert. Nachweislich wurden damals Ulme, Esche und Ahorn verbaut.

Solche vierrädrigen Wagen wurden wahrscheinlich bei Prozessionen im religiösen Bereich und zur Repräsentation der führenden Oberschicht eingesetzt. Für längere Überlandfahrten oder den Einsatz im Krieg erscheinen sie ungeeignet.

[Abb. Wagen aus Biel, Keltenfürst Taf. 42/43 oder Postkarte]

Das Holzjoch und die Jochgurte

Das Joch aus Ahornholz hat sich nur in der Mittelpartie erhalten; die Jochbögen, die auf dem Widerrist der Pferde auflagen, waren völlig zerquetscht. Das Joch ist mit Schnitzereien und zwei kleinen Pferdestatuetten aus Bronze verziert. Die vier oder fünf Jochgurte aus Leder lagen neben, unter und auf dem Joch. Sie sind mit Gittermuster aus flachen Bronzeknöpfen und sehr kleinen Bronzenoppen besetzt.

[Abb. Joch aus Biel, Keltenfürst Taf. 45]

Der Kettenverteiler

Auf dem Joch wurde ein Kettenverteiler aus Bronze, d.h. ein Ring, an dem sechs unterschiedlich lange Ketten hingen, gefunden. Seine Funktion ist noch nicht bekannt, es gibt jedoch vergleichbare Exemplare aus anderen Gräbern, die meistens beim Joch lagen.

[Abb. Kettenverteiler aus Biel, Keltenfürst Taf. 47]

Die Kopfgestelle und Führungsleinen

Die zwei Kopfgestelle für die Zugpferde bestehen jeweils aus einem eisernen, zweiteiligen Gebißstück, gebogenen, hölzernen Trensenknebeln, 16 großen und acht kleinen flachen Bronzescheiben als Verzierung (Phaleren), Bronzespiralen, einem T-förmigen Knebel aus Bronze und Lederriemen. Es sah fast so aus wie ein heutiges Pferdezaumzeug, nur die Scheuklappen fehlen. Sehr gut haben sich auch die Leinen aus Leder erhalten, die im aufgewickelten Zustand unter dem Zaumzeug lagen.

Der Treibstachel

Zum Pferdegeschirr gehörte noch ein Treibstachel aus Holz mit einer Eisenspitze, der ähnlich einer Peitsche gebraucht worden ist. Dieses Stück kam vielleicht aus Italien oder dem Südostalpenraum, von wo Parallelfunde und Abbildungen auf Bronzegefäßen bekannt sind. Ein solcher Treibstachel ist vielleicht auch auf der Rückenlehne der Bronzekline [link zur entsprechenden Seite?] aus dem gleichen Grab in der Hand des Wagenlenkers dargestellt.

Kontaktadresse:

Julia K. Koch M.A.

Institut für Ur- und Frühgeschichte

Christian-Albrechts-Universität

D - 24 098 Kiel

Germany

Fax: + 49/431/8807300