STN REGION STUTTGART 26.09.1997



Archäologen in akuter Geldnot

Den Ausgrabungen der Volunteers im Stettener Norden droht das Aus

Leinfelden-Echterdingen (stn) - Die archäologischen Ausgrabungen in den ,,Zeiläckern'' am Rande von Stetten sind in Gefahr. Das Landesdenkmalamt hat keine Mittel mehr, sie finanziell zu unterstützen, weil das Land sparen muß.

Ein kleiner Schock für die ,,Volunteers'', die seit drei Jahren das ungemein fruchtbare Areal untersuchen und bereits Fundstücke aus vier archäologisch wichtigen Epochen gefunden haben. Sie reichen von Bandkeramik aus der Jungsteinzeit (4000 v. Chr.) über eine keltische Viereckschanze und römische Dach- und Hohlziegel bis hin zu alamannischen Gräbern.

Eigentlich galt die Suche ja einem Grubenhaus, das die Ehrenamtlichen freilegen sollten. Aber daraus wurde nichts, weil sich ein Karthograph bei den Messungen vertan hatte. Doch die Hobbyarchäologen wurden unter fachkundiger Leitung des Landesdenkmalamts anderweitig fündig. Völlig überraschend stießen sie bei ihren Grabungen auf eine Viereckschanze, die offenbar besonders üppig geraten ist. Grabungsbetreuer Rüdiger Krause vom Landesdenkmalamt ist fasziniert, weil diese Schanzen forschungsgeschichtlich noch einigen Sprengstoff bieten. Denn die Gelehrten streiten sich darüber, ob sie den Kelten als Viehkral, Gutshof oder Kultstätten gedient haben. Das Problem in Stetten: Gewöhnlich haben diese Anlagen eine Seitenlänge von 90 Metern. Aber bisher suchten die emsigen Volunteers vergeblich nach einem Eckpunkt. Krause vermutet inzwischen, daß die Viereckschanze sogar bis zu 140 Meter lange Seiten haben könnte. Der ehrenamtliche Grabungsleiter Hermann Holzinger möchte deshalb nächstes Jahr an der Freilegung der Schanze weiterarbeiten - wenn das finanziell geht.

Deshalb kam es nicht von ungefähr, daß Oberbürgermeister Wolfgang Fischer zur Präsentation der neuesten Funde der Volunteers geladen war. Denn angesichts des durch Erosion und landwirtschaftliche Nutzung gefährdeten Kulturdenkmals in den ,,Zeiläckern'' wurde der Rathauschef vom Grabungs-Fachbetreuer Krause gebeten, die Basisfinanzierung von 5000 bis 8000 Mark zu übernehmen. Für den Rest sollen Sponsoren gefunden werden, die - wie die Kreissparkasse oder die Firma Roto Frank bereits seit langem - für den Restbetrag aufkommen. Immerhin: OB Fischer dankte schon mal den Volunteers, die unentgeltlich die Grabungen vornehmen. Sie hätten sich allerdings auch durch ihre Arbeit erhebliches archäologisches Wissen aneignen können, meinte Fischer.

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